Neue Apartheid?
In Südafrika kam es in den letzten Wochen vermehrt zu Ausschreitungen gegen Ausländer. Bilder von brennenden Simbabwern geistern durch die Medien. Sie sind es, die die Wut der Südafrikaner am meisten zu spüren bekommen. Aber auch Somali, Pakistani und überhaupt jeder dessen Aussehen nicht "typisch" Südafrikanisch ist, werden Opfer der Gewalt. Es geht soweit, dass Beobachter von einer neuen Apartheid sprechen. Dabei genügt ein flüchtiger Blick, um zu erkennen, dass davon keine Rede sein kann.
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Südafrika wird immer als der Vorzeigestaat im Afrika porträtiert. Eine erfolgreiche "Regenbogennation", die von EU und UNO zu der sog. ersten Welt gezählt wird. Nichtsdestotrotz ist Südafrika ein Land voller Menschen, die in prekären sozialen Verhältnissen, Arm und ohne Arbeit leben.
Die Arbeitslosigkeit betrug im Dezember 2006 27%. In den Townships dürften es über 40% sein.
Ausländerfeindlichkeit ist ein Problem, das Südafrika schon länger hat, die Zunahme der Gewalt im Mai 08 ist aber eine bisher nicht da gewesene.
Keine 20 Jahre nach dem Ende der Apartheid, so ist man versucht zu sagen, werden die Unterdrückten selber zu Unterdrückern. Dieser Vergleich ist aber so falsch wie ahistorisch. Die Apartheid war das System einer bourgeoisen Klasse - der weissen Minderheit - mit dem Zweck ihr Eigentum und Reichtum gegen die schwarze Mehrheit zu verteidigen. Die aktuellen Geschehnisse haben ein gänzlich anderes Wesen.
It's the economy, stupid
Nun ist der Hass gegen Ausländer laut verschiedenen Blogberichten nichts neues. Die öffentliche Meinung ist die gleiche wie sie hier in Europa nur zu bekannt ist: Ausländer seien schuld an Jobverlust, Kriminalität und Wohnungsnot.
Dass diese Xenophobie durch jahrelange Arbeitslosigkeit und einem Leben in Townships vor Städten die so reich aussehen in Gewalt mündet, wenn gleichzeitig die Lebensmittelpreise explodieren, sollte nicht weiter verwundern. Die Ausschreitungen darf man dadurch keinesfalls entschuldigen, man kann sie aber besser verstehen.
Die vorwiegend jungen Menschen, die auf die Strasse gehen, sind in der Geschichte schliesslich nicht die Ersten, die ihre schlimme Situation an Menschen auslassen, denen es nicht besser geht. Auch wenn verschiedene Gruppen in Südafrika auf den menschenverachtenden Kapitalismus verweisen, so ist doch noch ein langer Weg, bis sich diese Einsicht bei den Randalierenden verbreitet. Wer Hunger hat, dem ist schliesslich nicht nach komplizierten Erklärungen.
Wenn also der Apartheid-Vergleich gezogen wird, oder von der Regierung mit mehr Polizei gedroht wird (die Ausländer auch nicht wie Menschen behandelt), dann macht das die Situation nur schlimmer.
Jahrelange Armut trifft auf Lebensmittelkrise.
Es braucht kein Genie um zu erkennen, dass das zu massivsten Problem führen wird.
Und wer nun glaubt, dass eine neue Krise des Kapitalismus zu seiner Aufhebung führen kann, dem sei hiermit ein erster Gegenbeweis unterbreitet.
Quellen
Dank geht an dieser Stelle an die Leute von BlackLooks, die wie immer gute Analysen und Hintergrundinformationen zu den Geschehnissen in Afrika zur Verfügung stellen. Mein Post hier ist nur Zusammenfassung und Übersetzung mehrerer dort geposteter und gelinkert Blogbeiträge.





