Tod den Emos
Es gibt Tage da reibt man sich ob der Ereignisse in dieser Welt die Augen und fragt sich ob man in einem verrückten Roman eines betrunkenen Clowns gelandet ist, der seine Acid-Visionen auf Papier bringt. Heute ist so ein Tag.
In Mexiko bilden sich dieser Tage spontan Mobs, die Emo-Kids suchen, finden und verprügeln. Die Emos ihrerseits demonstrieren für den Schutz ihrer "Minderheit". Die Presse stellt sich auf die Seite der Emos, was den Mob erst recht in Rage bringt, weil Emo als Mainstream-Genre damit scheinbar vom Kommerz unterstützt wird.
What - ich mein - WHAT THE FUCK!?
Hier ein Video aus den mexikanischen Nachrichten. Keine Ahnung was gesagt wird, aber die Bilder sprechen Bände:
Dass Emos nicht sonderlich beliebt sind, war mir klar. Dass alle ein Problem mit dieser Szene haben kann ich mir noch dadurch erklären, dass Emos tendenziell metrosexuell aussehen, viel über ihre Gefühle reden und manchmal Musik hören die inhaltlich so süss ist, dass Mariah Carey im Kontrast wie Metalgrindcore klingt.
Dass das aneckt macht Sinn, wenn man sich die Reihen der Emogegner ansieht:
Skins, Metalheads, Punks & Rockabillys sind am lautesten in Ihrem Hass gegen die pubertierenden Emokids. Sie sind es auch, die in Mexiko rumrennen und den Emos auf die Nase geben.
Warum sie das tun und weshalb sich eine grösser werdende Anti-Emo-Welle gegen den angeblichen Mainstream des Emo so explosiv entwickelt ist zur Zeit noch schwierig zu sagen:
Es gibt Leute die den Startschuss in einer Fernsehsendung sehen, wo ein Moderator Emos zur Sau machte. (Der Moderator sprach sich heute gegen die Gewalt aus).
Andere, krudere Stimmen behaupten, dass die Regierung das Emogenre als Mittel nutzt, eine Generation von Kids hervorzubringen, die unpolitisch und bürgerlich ein Leben ohne Widerrede führen. Der Mob selbst sieht sich angeblich als "reinigende" und politische Bewegung, die Mexiko als zerfallendes Gebilde begreift, dass es durch Aufstände zu retten gilt.
Es kursieren sogar Verschwörungstheorien, die besagen, dass der Aufstand durch die Regierung selbst initiiert wurde, um Sympathien für die Emoszene zu erzeugen, um sie damit zu stärken.An dieser Stelle kann der einleitende Abschnitt nur revidiert werden. Kein Clown auf keiner existierenden Droge könnte sowas erdichten. Wer einen Beweis dafür sucht, dass das Leben die spannensten und obskursten Geschichten schreibt, dem kann gratuliert werden. Beweis gefunden.
Eigentlich erwarte ich immer noch, dass jeden Moment jemand hinsteht und diese Geschichte als virale Werbekampagne, genialier Hoax oder falsche Übersetzung einer Agenturmeldung entlarft. Bis dahin sitze ich auf mein Pult, kacke auf die Maus und warte darauf, dass der verrückte Nero mit seiner Geige das allerletzte Lied spielt.
P.S.
Wer ihn noch nicht kennt: Hier ein älterer Beitrag von mir über eine Emoparty auf der ich mal war:
http://unzustand.net/archives/7-Hippie-Core.html



