USA: Aufruf zum Generalstreik
Jap, richtig gelesen: Generalstreik. Auf einer Website steht der Aufruf am 11. September 2007 zu streiken, einen Tag lang nichts zu kaufen und nicht zur Schule zu gehen. Der Aufruf, so der Plan, soll sich von der Website viral verbreiten und damit die Leute auf die Strasse locken. Sinn des Streiks? "Alles" soll besser werden.

Ein Generalstreik der üblichen Verdächtigen
Wie sich herausstellt, ist der Generalstreik kein Streik im klassischen Sinne. Es geht nicht darum, bessere Arbeitsbedingungen zu erkämpfen. Es geht nicht um Lohnerhöhungen, Stellenabbau oder Arbeitnehmerforderungen im Allgemeinen.
Es soll gegen den Irak-Krieg, gegen den Abbau von Bürgerrechten, gegen Lügen, Tyrannei, Faschismus, die Medien, die Regierung und für die angeblich verschleierte Wahrheit von 911 gekämpft werden. Einen Tag lang.
Auch wenn im Moment nicht gesagt werden kann, welchen Erfolg dieser Aufruf haben wird, so ist doch zu vermuten, dass am Ende die üblichen Verdächtigen auf die Strasse gehen.. Studenten, Alternative und der ganze Rest. Diejenigen, die also sowieso jeden 11. September demonstrieren.
Wieso die meisten Arbeiter nicht streiken werden
Die Lage in den USA ist durchaus keine besonders rosige. Prekäre Arbeit, wenig Lohn, der Krieg im Iraq und das kaum noch vorhandene Vertrauen in die Regierung Bush, sowie die vielen Menschen die glauben, dass eben diese Regierung was mit dem 11. September zu tun hat, sind nur prominente Ausdrücke der wachsenden innenpolitischen Probleme.
Trotzdem werden kaum ArbeiterInnen diesem Streikaufruf folgen. Er wird von keiner Gewerkschaft und insofern von keiner spezifischen Arbeiterschaft getragen, es bestehen keine Streikkassen und keine Sicherheit den eigenen Arbeitsplatz nach dem Streiktag noch zu besitzen. Joe Sixpack, der an irgendeinem Fliessband arbeitet läuft schlicht Gefahr, am 12. September fristlos entlassen zu werden. Denn die meisten oder wenigstens viele seiner Kollegen werden arbeiten.
Die viel zu breit angelegte Botschaft zum Streik wird ihr übriges tun. Gegen den Krieg, die Medien, Überwachung, Unterdrückung, Tyrannei, Faschismus und Lügen? Und dann noch mit den ganzen Verschwörungsheinis aus dem College auf der Strasse stehen? Dazu noch die sinnlose Kauf-Nix Aktion? Kaum vorstellbar dass das viele ArbeiterInnen anspricht..
Eine neue Form von Generalstreik
Wirklich interessant am Aufruf zum Generalstreik ist letztlich nur die Aufmachung, das virale Marketing und die Verwurzelung im Internet. Soweit mir bekannt, ist dies der erste Streik, der aus dem Schoss des Internets kommt. Die Website zu dem Streik ist mit allen möglichen Social Networking Diensten verknüpft, womit sie anscheinend eine einmalige Mund-zu-Mund Verbreitung erreichen will.
Es scheint als ob das moderne, soziale Web langsam aus dem "Ich bin dein Freund, du bist mein Freund" Stadium herauswächst. Eine Veränderung die zu begrüssen wäre.
Wie dem auch sei. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Aufruf den Menschen die Möglichkeit eines Streiks wieder ins Gedächnis ruft, damit eines Tages richtig gestreikt wird, ohne dass einfach tausend Verschwörungsfritzen auf die Strasse gehen.
Links
Die (hübsche) Website mit dem Streikaufruf



