Impressionen aus Äthiopien
Ein Unzustand Bericht aus Dire Dawa, mit dem ein Tag auf einer Reise verarbeitet werden sollte, die neben solchen Impressionen auch viele sehr sehr schöne Momente hervorbrachte und weiter hervorbringen wird.
Meistens sind es Kinder, die einen zuerst entdecken. "Forenschi, Forenschi" schreien sie. Es kommen Weisse, echte Weisse! Genau so war das auch heute morgen im 5000 Personen zählenden Flüchtlingskamp in Dire Dawa - Ostaethopien.
Die Flüchtlinge die Dort untergebracht sind, haben ihr Hab und Gut bei einer grossen Flut verloren, die vergangenen August einen Teil der Stadt komplett weggespült hat.
Bloss weg hier
Eigentlich kennt man sie ja aus dem Fernsehen. Die Zelte, die dünnen Menschen, die hungrigen, fragenden Blicke. Es ist nicht völlig unbekannt. Aber normalerweise kann man auf MTV zappen und dem Flavor Flav dabei zusehen, wie er sich bei seiner Partnersuche selbst vermarktet. Ist man wirklich vor Ort, ist das etwas anders.
Wenn man in einem Camp wie diesem traurige Menschen erwartet, liegt man falsch. Da war keine Trauer. Es wurde viel gewunken, gegrinst, gelacht, freundlich genickt. Die einzigen Menschen mit herunterhängenden Mundwinkeln waren meine beiden Begleiter und ich.
Man zwingt sich hinzusehen, zwingt sich, die Realität zu akzekptieren, aber kann es nicht. Man will einfach nur raus. Will nicht sehen, riechen, hören, was um einen rum passiert.

Bitte nicht Fotografieren
Raus wollen alle. Schliesslich sind die Menschen schon bald ein Jahr dort. Verstehen, wieso das so ist, das kann niemand. Die lokalen Verantwortlichen bauen zwar neue Häuser, probieren Schutzwälle zu bauen, um künftige Fluten kontrollieren zu können, aber das geht nur schleppend voran und ist zumindest teilweise unterdimensioniert.
Es ist schwierig zu sagen, bei wem der Fehler liegt. Sind es Regierungsstellen die zu langsam arbeiten, sind es allzu bürokratische Strukturen, oder ist das schlicht nicht so einfach wie man es sich vorstellt.
Fakt ist, dass die blanke Wut einer Frau auf die Regierung mehr als verständlich ist, als uns auf dem Platz verboten wurde, Fotos zu machen. Nicht dass das irgendetwas ändern wuerde, denn es gibt eine Unmenge von Bilder aus Lagern und Katastrophengebieten, die rein gar nichts nützen. Doch den Betroffenen die Möglichkeit zu nehmen, ihre Realität anderen (vor allem fremden) Menschen mitzugeben, kann der Tropfen sein, der das Fass zum überlaufen bringt.
Der letzte Eindruck
Wie wir also in unserem Jeep durch das Lager fuhren (wir durften den Jeep auch nicht verlassen), konnte ich mich dem Gedanken nicht verwehren, dass dieses Lager so aufgelöst werden könnte:
Durch die Bewohner, blutig, mit folgendem Polizeieinsatz, dessen Bilddokumentation noch viel schärfer verboten, aber gleichzeitig auch viel nötiger waere.
Doch wie es halt so ist. Wir fuhren um die Ecke und die Bilder um uns herum verschwanden und nur schwache Worte blieben, um das gesehene zu beschreiben.



