Teuer ist es, Arm zu sein
Wer in kapitalistisch gut entwickelten Nationen Arm ist, der macht nicht notwendigerweise etwas falsch, ist zu undiszipliniert oder so ähnlich, wie sich viele vielleicht denken. Wer Arm ist oder wird, der bleibt es. Wieso? Es ist einfach zu teuer Arm zu sein.
Das Brookings Institut aus Washington DC hat per Juli 2006 eine Studie veröffentlicht, die mit einer Untersuchung von zwölf Städten beweist, dass Menschen aus ärmeren Schichten oft für dieselben Produkte und Dienstleistungen mehr zahlen müssen, als vergleichsweise wohlhabende Schichten.
Folgende Beispiele aus dem Bericht hab ich aus diesem Blog kopiert und (frei) übersetzt. Sie scheinen mir eine gute Übersicht zu geben:
- Arme Menschen haben seltener Bankkonten, da diese bei geringem Einkommen teuer sein können, deshalb tendieren diese Menschen dazu Checks für Ihre Arbeit entgegenzunehmen. Diese einzulösen kostet aber zwischen $5 und $50 bei einem Wert von $500.
- Landesweit zahlen AutokäuferInnen mit geringem Einkommen (< $30'000 im Jahr) zwei Prozent mehr für einen Autokredit, als diejenigen die wohlhabender sind.
- Ärmere Menschen zahlen durchschnittlich ein Prozent mehr für allfällige Hypotheken.
- Sie kaufen ihre Haushaltsgegenstände und Möbel eher bei teuren "rent-to-own" Shops (Quasi per Leasing). In Wisconsin, berichtet die Studie, kann ein rent-to-own TV für $200 im Endeffekt bis zu $700 kosten.
- Oft ist es so, dass ärmere Menschen schlechteren Zugang zu grossen Supermärkten haben und deshalb auf kleinere, teurere Shops angewiesen sind.
In den Kommentaren des erwähnten Blogs finden sich dann auch noch andere Problematiken. So ist es für Frauen aus der "Unterschicht" teurer zu leben, da sie, um sich vor sexuellen Übergriffen zu schützen, mehr Geld aufwenden müssen als Männer (Mit dem Taxi nach Hause, Pfefferspray). Ausserdem ist es in den USA nicht einfach abzutreiben, sei es wegen des Gesetzes oder weil Ärzte sich weigern.
In der Schweiz ist sowas alles weniger beobachtbar. Nicht weil wir keine Armut haben, sondern weil diese hier nicht so offen zu Tage tritt wie in den USA oder neuerdings vermehrt in Deutschland. Aber da ich zu den Pessimisten gehöre, was die Entwicklung des Kapitalismus anbelangt, denke ich nicht dass wir ewig auf solche Zustände warten werden.




